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Bürgerinitiative Umweltschutz Lüchow-Dannenberg e.V.
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Mitgliederrundbrief

September 2008

Sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Freundinnen und Freunde!

Asse, Morsleben – zwei einstürzende Endlager

Die Asse bringt es an den Tag! Jahrelang wurden die Warnungen von Bürgerinitiativen und Wissenschaftlern
ignoriert, bis kontaminierte Laugenzuflüsse im Salzstock Asse II bei Wolfenbüttel für Schlagzeilen sorgten. Diese wurden ohne jede Genehmigung in die Tiefe gepumpt. 1965 kauft die Gesellschaft für Strahlenforschung (GSF), die Vorläuferin des heutigen Betreibers, des Helmholtz-Zentrums, im Auftrag des Bundes das Kalibergwerk für 800.000 DM. Vom 4.4.1967 bis Ende 1978 wurden 124.494 Fässer mit schwachradioaktiven Abfällen gestapelt oder verstürzt. Aus der Wiederaufarbeitungsanlage Karlsruhe kamen 1.293 Fässer mit mittelradioaktivem Abfall hinzu. Scheibchenweise kam jetzt durch die bohrenden Nachfragen der Bürgerinitiativen die Wahrheit ans Licht: Lecke und korrodierte Fässer wurden angeliefert, flüssige Abfälle eingelagert. Inzwischen wird auch zugegeben, dass zwischen 1973 und 1976 mindestens 94 Fässer mit kugelförmigen Brennelementen aus einem Versuchsreaktor im Kernforschungszentrum Jülich in die Asse II gebracht wurden. Die Bergung der Fässer war nie vorgesehen. Die Asse II säuft ab, der radioaktive Müll liegt drin.

Das von der DDR „geerbte“Endlager Morsleben wird leider nur am Rande erwähnt. Es war das erste, genehmigte Endlager in Deutschland, das übereilig geschlossen wurde. Um den Einsturz zu verhindern, wird es teilweise mit Beton verfüllt. Das atomrechtliche Genehmigungsverfahren hinkt diesen Maßnahmen hinterher, das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) argumentiert, Gefahr sei im Vollzug. Angela Merkel, die sich heute als Kanzlerin für die Verlängerung von Laufzeiten der Atomkraftwerke und die Aufhebung des Gorleben-Moratoriums stark macht, stellte der Atommüllkippe noch 1997 als Bundesumweltministerium einen Blankoscheck aus: „Die Standsicherheit des Endlagers und der betroffenen Versturzkammern, aber auch der Hohlräume darüber und darunter, ist für die nächsten Jahrzehnte gegeben“. Sie verlängerte die Betriebszeit durch die Novelle des Atomgesetzes am 6. April 1998 um fünf Jahre, bis zum 30. Juni 2005. Im Jahr 2000 mussten die zwei Einlagerungskammern mit Salzgrus verfüllt werden, um das Herabstürzen von Salzbrocken auf den Müll zu verhindern. November 2001 stürzte schließlich ein gewaltiger 4000 t schwerer Brocken von der Decke, zum Glück in einer leeren Kammer….

Asse, Gorleben – Parallelen

Jahrelang galt die Asse als Pilotprojekt für Gorleben. Die Einlagerung von radioaktiven Abfällen wurde dort simuliert. Wärmequellen sollten Aufschluss geben, wie sich das Salzgestein verhält. Zum Glück konnte Anfang der 90er Jahre verhindert werden, dass hochradioaktiver Müll aus der Plutoniumfabrik und Waffenschmiede Hanford (USA) eingelagert wurde – „versuchsweise nicht –rückholbar“.

Die Parallelen zwischen der Asse und Gorleben liegen auf der Hand: Wasserkontakt, Gefälligkeitsgutachten aus gleicher Quelle wie zum Beispiel von Prof. Klaus Kühn, die Anwendung des Bergrechts, das die Öffentlichkeit bei der „Erkundung“ faktisch ausschließt.

Viele Zeitungen haben in den vergangenen Tagen in Berichten und Kommentaren auf die wunden Punkte hingewiesen.

Kommentar Südwest-Presse 4.3.08

Um Atommüllprobleme zu lösen, nehmen sich Politiker Jahrzehnte Zeit. Im Vergleich dazu haben sie das Gerangel um Kompetenzen für das Salzbergwerk Asse enorm rasch gelöst. Jetzt ist also Umweltminister Sigmar Gabriel für das Versuchslager zuständig. Eine Antwort, was mit dem Abfall - das letzte Fass wurde vor 30 Jahren abgelagert - geschehen soll, hat er jedoch nicht. Die Suche nach Techniken zur sicheren Endlagerung radioaktiven Materials begann dort vor 45 Jahren. Und das Ergebnis ist niederschmetternd. Was lässt sich aus diesem Debakel lernen? Ein Salzbergwerk scheint nicht geeignet zu sein, Atommüll für Jahrtausende von unserer Umwelt sicher abzutrennen. Strahlenmüll - aus dem Auge, aus dem Sinn kann daher nicht das Motto bleiben. Vielmehr müssen Endlager so aussehen, dass das Material nach heutigem Wissen unschädlich verwahrt, im Notfall aber herausgeholt werden kann. Für alte Brennstäbe müssen diese Vorgaben erst recht gelten. Damit ist aber auch der Salzstock Gorleben nicht das beste Endlager. Deshalb ist es einen Versuch wert, ein besseres zu suchen. Unions-geführte Länder müssen ihren Widerstand dagegen aufgeben. Wer die Atommeiler laufen lässt, muss Fortschritte bei der Müllentsorgung nachweisen. Die Fehlanzeige ist ein Gesetzesverstoß. Wer aber längere Laufzeiten wie eine politische Monstranz vor sich herträgt, darf beim Endlager nicht auf das St.-Florian-Prinzip setzen.

Kommentar in der Kölnischen Rundschau, 3.9.08

Der mögliche Ausstieg aus dem Atomausstieg angesichts der Energiekrise mag ein Wahlkampfthema sein. Die Endlagerfrage darf keins sein. Wer die Sorgen der Bewohner rund um Gorleben angesichts der Vorfälle in Asse nicht ernst nimmt, handelt sich ganz schnell wieder große Demos, Blockaden und zersägte Gleise ein. Und dann fällt das Thema beiden großen Parteien auf die Füße.

Abschwächung der Sicherheitskriterien -Endlagersymposium in Berlin

Bundesumweltminister Sigmar Gabriel lädt vom 30. Oktober bis 1. November zu einem Endlagersymposium Ende Oktober nach Berlin ein. Vorab hat er Sicherheitskriterien veröffentlicht, die auf Gorleben zugeschnitten wurden: Es ist nicht mehr die Rede von einem Mehrbarrierensystem. Allein das Endlagergestein soll für eine Million Jahre Sicherheit bieten. In allen Interviews wiederholt er, dass Gorleben als Endlager zu Ende gebaut wird, wenn sich keine Alternativen aufdrängen. Wir fahren nach Berlin und werden uns ihm dort aufdrängen.

Renaissance der Atomkraft?

Völlig unberührt von diesen Vorgängen trommeln die Unionsparteien für die Nutzung der Atomkraft, die Laufzeitverlängerung der Atomkraftwerke. Vor allem Wirtschaftsminister Michael Glos (CSU) tut sich mit seinem Lobbyismus hervor. Mal bewirbt er in Greenwash-Manier den angeblich CO 2 freien Atomstrom, mal lockt er mit Zuschüssen beim Kauf von Elektrogeräten. Sofort und sorgfältig koordiniert wiederholt CSU- Chef Erwin Huber, dass der Salzstock Gorleben als Endlager tauge. Die „Killing Fields“ der Pro-Atom-Kampagne wie die Krebshäufung im Umfeld der Atommeiler und das Atommülldesaster werden ausgeblendet. Dahinter steckt eine mediale Strategie der Konzerne. Burson Marsteller, einer der größten PR-Firmen der Welt, ist Stichwortgeber. Nur dürftig wird verdeckt, dass es um die Sicherung der Extraprofite geht, die Stromkonzerne aus dem Weiterbetrieb abgeschriebener Altmeiler in ihre Taschen wirtschaften. Die neueste Ansage aus dem Hause Glos, die 40 Milliarden Euro von den geschätzten 50 Milliarden Extraprofiten in einen Fond fließen zu lassen, soll die Stimmung pro Atom kippen lassen. Das Geld wird niemals an den Stromverbraucher zurückgegeben.

Wir sind am Zuge!

Die Vorgänge um die Asse zeigen aber auch, dass sich langer Atem lohnt. Dass sich der Wind dreht. Dass man unsere Argumente wahr nimmt. Das Moratorium in Gorleben ist der erste Schritt zum Ausstieg aus diesem Projekt. Dafür kämpfen wir gemeinsam. Wie aber bekommen wir die Fäden verwoben? Asse, Gorleben, Atomausstieg?

  • Der persönliche Atomausstieg durch den Wechsel zu einem Ökostromanbieter dauert nur wenige Minuten, dann ist das Formular ausgefüllt (Vordrucke auch im BI-Büro erhältlich).
  • Die Anti-Atom-Sonne leuchtet wieder auf: Aufkleber, Plakate gibt es im BI-Büro.
  • Unterstützen Sie mit Ihrer Unterschrift die Anzeigenkampagne für den Atomausstieg – Listen liegen im BIBüro, Sie können auch direkt unter www.campact.de unterzeichnen.
  • Sprechen Sie Freundinnen und Freunde, Kolleginnen und Kollegen, Nachbarn und Verwandte an.
  • Bitte halten Sie sich die Zeit zwischen dem 7.-9. November frei. Wenn der nächste Castorkonvoi nach Gorleben transportiert wird, sind wir Sand im Getriebe in bekannter Weise: mit Widerstandstanz, Kultur, Protest und Widerstand.
  • Bitte die beiliegenden Aufkleber gut sichtbar anbringen.

Die sichtbarste Tat, um der Lobby die rote Karte zu zeigen: Bundesweite Demonstration am 8. November 2008 um 13 Uhr in Gorleben

Wir bitten Sie aber auch, uns bei der Mitgliederwerbung und mit einer Spende zu unterstützen, damit wir öffentlich deutlich in Erscheinung treten können. Spendenkonto KSK Lüchow, BLZ: 258 501 10, Kontonummer: 4406 0721

Bearbeitet am: 30.09.2008/ad


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